Das Gesamtwerk von Hollywoodstar Gerard Butler wird gern in zwei Kategorien eingeteilt: In Testosteron-Spektakeln wie 300, Gamer oder Gesetz der Rache gibt er den harten Kerl, während er sich in Romanzen wie P.S. Ich liebe dich oder Die nackte Wahrheit Frauenherzen höher schlagen lässt. Mehr traut man dem kernigen Schotten nicht zu.
„Etwas Intellektuelles ist natürlich eine Herausforderung für mich“, meinte Gerard Butler dann auch während einer Pressekonferenz grinsend. Der Schauspieler ist nach Berlin gekommen, um den Shakespeare-Film Coriolanus vorzustellen. Das Actiondrama spielt zwar in der Gegenwart, gesprochen wird aber in Shakespeares Sprache. Nicht die einzige Herausforderung für Butler: Der von ihm gespielte Tullus Aufidius muss sich mit dem von Ralph Fiennes gespielten Titelhelden erst bekriegen, dann verbünden. Dabei kommen sie sich so nahe, dass selbst der eingefleischteste Hetero die homoerotischen Schwingungen wahrnehmen wird.
Klingt merkwürdig? Ist es auch (und zwar nicht wegen der angedeuteten Männerliebe). „Coriolanus“ ist das Regiedebüt von Fiennes, der als Schauspieler unbestritten großartig ist. Als Regisseur weiß er nicht so recht, was er eigentlich erzählen will – sein Film wirkt hölzern und über weite Strecken langweilig.
Mehr Spaß macht der neue Film der amerikanischen Künstlerin Miranda July. In The Future erzählt sie von einem Mittdreißiger und seiner Freundin. Beide wissen nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anstellen sollen: Mal wollen sie Bäume retten, dann wieder mit eigenen Tanzfilmchen auf YouTube berühmt werden. Als sie sich entschließen, eine kranke Katze zu retten, geraten sie in eine Krise. Ein charmant-verspieltes Generationsporträt.
Und dann war da noch der iranische Wettbewerbsbeitrag Nader and Simin, a Seperation. Regisseur Asgar Farhadi erzählt ein Ehedrama, das zur Familientragödie wird: Simin will den Iran verlassen, ihre Ehemann Nader möchte wegen seines kranken Vaters bleiben. Als dessen neue Pflegerin einen Fehler macht, rastet Nader aus… Ein zutiefst menschlicher Film, spannend und universell. Für uns einer der großen Favoriten für den Goldenen Bären.



Coriolanus ist ein sehr guter Film. Das Problem des Films liegt darin, dass es auf Grund der Sprache immer schwierig ist, die Materie in die Neuzeit übersetzen. Meiner Meinung nach ist das Ralph Fiennes aber sehr gut gelungen. Man muss sich natürlich darauf einlassen. Vanessa Redgrave, die hier eine der großen Frauenrollen im Theater spielen darf ist absolut grandios. Auch Ralph Fiennes kann als Schauspieler überzeugen. Das große Problem des Films liegt in Gerard Butler, der leider völlig uncharismatisch hinter Ralph Fiennes verblasst. Trotzdem ist es ein toller schwermütiger Film, über den sich jeder selbst sein Urteil bilden sollte.