Hört man sich unter Berlinale-Profis um, halten die sich natürlich alle an die älteste Festival-Regel überhaupt: Man geht nur in Filme, die höchstwahrscheinlich nie ins Kino kommen. Den ungarischen Schwarzweiß-Film über ein störrisches Pferd etwa. Oder den schwulen Film aus Litauen. Nicht zu vergessen den viereinhalbstündigen japanischen Film über die Rachephantasien einer Achtjährigen. Alles hochspannend und so was von außergewöhnlich.
Komisch nur, dass für Filme wie The King’s Speech die Tickets am schnellsten vergriffen sind (auch die aus dem Akkreditierten-Kontingent). Kommt der Film über den stotternden Britenkönig George VI. ohnehin diese Woche in die deutschen Kinos. Ihn auf der Berlinale zu sehen, hatte dann aber doch einen besonderen Reiz: Schließlich waren die beiden Hauptdarsteller Colin Firth und Helena Bonham Carter bei der Vorstellung anwesend.
„Jedes Mal, wenn er sprechen musste, war es so, als ob ein Boxkampf in seinem Körper stattgefunden hätte“, meinte der gutgelaunte Colin Firth über den von ihm gespielten König. Es sei nicht leicht gewesen, sich das Stottern beizubringen – und genauso schwer, es wieder loszuwerden. „Am Ende der Dreharbeiten war meine Sprache noch holpriger als sonst. Das ist aber Standard, kein Stottern.“ So viel Charme brachte so manche Besucherin der Pressekonferenz zum Seufzen, Firths Filmpartnerin dagegen zum Gähnen…
Helena Bonham Carter hatte in Berlin ein akutes Müdigkeitsproblem – kein Wunder bei ihrem vollgepackten Terminkalender: Neben „The King’s Speech“ stellte sie noch den charmanten Coming of Age-Film Toast vor. Der Film beruht auf den Kindheitserinnerungen des britischen Kochgurus Nigel Slater, sie spielt darin seine böse Stiefmutter. Eine Paraderolle für die Schauspielerin, mit blondgefärbten Haaren und Kittelschürzen ist sie ganz in ihrem Element.
Ebenfalls in seinem Element ist der Ire Brendan Gleeson im Cop-Krimi The Guard. Der Schauspieler gibt einen naiven Dorfpolizisten, der sich im Zuge eines geplanten Drogendeals mit einem amerikanischen FBI-Agenten (Don Cheadle) herumschlagen muss. Das macht er so politisch inkorrekt wie komisch, dass man ihm sofort einen Preis als bester Schauspieler in die Hand drücken will. Der Film läuft aber nicht im Wettbewerb, daher wird das leider nichts mit dem Bären. Ein regulärer Kinostart wäre aber auch schon was, oder?


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