Die Begeisterung war grenzenlos, der Applaus frenetisch und das Blitzlichtgewitter der Kameras so gleißend hell wie selten zuvor: Am Potsdamer Platz herrschte gegen Ende der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin noch einmal Ausnahmezustand. Doch wer jetzt glaubt, das habe etwas mit der Vergabe der Goldenen und Silbernen Bären zu tun, liegt falsch: Am Freitagabend (also einen Tag vor der Verleihung) feierte die Literaturverfilmung Bel Ami Premiere auf der Berlinale. Das allein war natürlich noch kein Grund für Jubelarien – als aber bekannt wurde, dass Hauptdarsteller Robert Pattinson den Film höchstpersönlich vorstellen würde, gab es kein Halten mehr.
Tagsüber beantwortete der gar nicht so blasse Twilight-Star brav die Fragen der Weltpresse, auf dem roten Teppich vor dem Berlinale Palast schrieb er dann eine knappe halbe Stunde lang Autogramme. So etwas nennt man Dienst an der Kundin… Der Film, mit Uma Thurman, Kristin Scott Thomas und Christina Ricci auch in den weiblichen Rollen prominent besetzt, wurde freundlich beklatscht – für Robert Pattinson ist es ein weiterer Versuch, sich von seinem Vampir-Image zu lösen. In die deutschen Kinos kommt Bel Ami im April, Preise wird Pattinson dafür wohl kaum gewinnen: Der Film lief auf der Berlinale außer Konkurrenz.
Damit wären wir auch beim großen Berlinale-Finale angekommen: Am Samstagabend verliehen Jury-Präsident Mike Leigh und seine Mitstreiter (u.a. Jake Gyllenhaal, Barbara Sukowa, Francois Ozon und Charlotte Gainsbourg) die Preise für die besten Filme des Wettbewerbs. Wie schon so oft zeichnete die Jury auch dieses Jahr einen Film mit dem Goldenen Bären aus, mit dem keiner gerechnet hatte: Den italienischen Beitrag Cesare Deve Morire von den Regie führenden Brüdern Paolo und Vittorio Taviani hatte niemand wirklich auf der Rechnung. Das Dokudrama erzählt von den Insassen eines römischen Gefängnisses, die Shakespeares „Julius Caesar“ einstudieren. Auch sonst gab es einige Überraschungen: So gewann der dänische Film Die Königin und der Leibarzt gleich zwei Bären, während Kritikerliebling Barbara „nur“ mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. Hier alle Preisträger der Berlinale 2012 im Überblick:
Goldener Bär: Cesare Deve Morire (Italien) von Paolo Taviani und Vittorio Taviani
Großer Preis der Jury: Just The Wind (Ungarn / Deutschland / Frankreich)
Beste Regie: Christian Petzold für Barbara (Deutschland)
Beste Darstellerin: Rachel Mwanza in War Witch (Kanada)
Bester Darsteller: Mikkel Boe Fölsgaard in Die Königin und der Leibarzt (Dänemark)
Bestes Drehbuch: Die Königin und der Leibarzt
Herausragende künstlerische Leistung: Kameramann Lutz Reitemeier für White Deer Plain (China)
Alfred-Bauer-Preis: Tabu (Portugal / Deutschland / Brasilien / Frankreich)
Lobende Erwähnung: Sister (Schweiz/Frankreich)
Wie jedes Jahr wurde die Berlinale am Sonntag mit dem sogenannten Kinotag abgeschlossen: An diesem Tag haben die Zuschauer die Chance, Verpasstes nachzuholen bzw. jene Filme zu sehen, die tags zuvor einen Preis gewonnen haben. Wir verabschieden uns an dieser Stelle und empfehlen Ihnen an dieser Stelle noch einmal unsere Online-Kollektion „Berlinale“. Darin finden Sie einige der schönsten Festivalfilme der vergangenen Jahre. Auf diese Weise dürfte sich die Wartezeit bis zur 63. Berlinale eigentlich überbrücken lassen, oder?





















