Natürlich redet dieser Tage ganz Berlin von Brangelina, Meryl, Keanu, Salma und all den anderen Hollywoodstars, die anlässlich der Berlinale in die deutsche Hauptstadt gekommen sind. (Man lässt dabei ganz beiläufig nur den Vornamen fallen, was eine gewisse Kennerschaft signalisiert und sich so anhört, als ob man die Herrschaften persönlich kenne.) Auf den vielen Empfängen, Partys und Premieren sieht man dann aber doch eher deutsche Filmstars.
Das war bei der Eröffnungsfeier so, die fast wie eine Leistungsschau des deutschen Films wirkte (- obwohl der Eröffnungsfilm eine französische Produktion war). Auch bei der Feier zum 100. Geburtstag des Filmstudios Babelsberg oder den Partys der Berlinale-Größen Boss, Bunte und Bild gab es jede Menge einheimisches Talent zu besichtigen. Und wer Karten für eine deutsche Produktion ergatterte, konnte sich auf Fragerunden mit den Stars und Machern am Ende der Vorstellung einstellen.
Drei deutsche Filme haben es 2012 in den Wettbewerb geschafft: Barbara (siehe Blog von Tag 3 und 4) liegt im Kritikerspiegel nach wie vor ganz vorne – ob Jury-Boss Mike Leigh das genauso sieht, wird sich am Samstagabend bei der Verleihung der Goldenen und Silbernen Bären zeigen. Was bleibt von Hans-Christian Schmid und Gnade von Matthias Glasner werden dagegen nur Außenseiterchancen eingeräumt. Beide Regisseure erzählen Familiengeschichten, der eine eher zurückhaltend (Schmid), der andere (Glasner) gewohnt provokant.
Auch beim Berlinale-Empfang der bayerischen Filmförderung (FFF Bayern) standen deutsche Filme und ihre Macher im Mittelpunkt: Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff bekam für sein Kriegsdrama Das Meer am Morgen viele positive Kritiken, der Film wurde fürs Fernsehen produziert und läuft in den nächsten Monaten auf Arte. Schauspielerin Martina Gedeck stellte beim Bayern-Empfang ihren neuen Film Die Wand vor: Darin spielt sie eine Frau, die eines Tages von einer unsichtbaren Wand von der Außenwelt abgeschnitten wird. Interessantes Thema, leider schwach umgesetzt.
Und dann war da noch Doris Dörrie, die in der Reihe „Berlinale Special“ ihren neuen Film Glück präsentierte. Der beruht auf einer Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirach und erzählt von der Liebe einer Prostituierten zu einem Punk. Über die plakative Inszenierung lässt sich streiten, die beiden Hauptdarsteller Alba Rohrwacher und Vinzenz Kiefer spielen aber so herzzerreißend, dass man den Film dann doch noch in sein Herz schließt. Doris Dörrie konnte zum FFF-Empfang nicht kommen, ihr Produzent Oliver Berben meinte aber: „Die Leute haben bei der Premiere an den richtigen Stellen gelacht und geweint.“ Ob es Ihnen genauso geht, können Sie schon ab nächster Woche überprüfen: Denn dann startet Glück in den deutschen Kinos.


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